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Thomas Braun am 14.03.2017

Weshalb wir uns situativ via Index-Puts gegen mögliche grosse Kursrückschläge absichern

Kommentare: 3

An unserer Jahrespräsentation wurden viele Fragen zu unserer Absicherungspolitik via Index-Puts gestellt. Wir erklären hier, wie wir versuchen, via Index-Puts die Anleger unserer Classic-Fonds in gewissen Situationen vor grossen Verlusten zu schützen.

Seit Ausbruch der Griechenlandkrise 2011 haben wir mehrere Male Index-Puts eingesetzt, um die Anleger unserer Classic-Fonds vor grossen Verlusten zu schützen. Auslöser für diese Absicherungen waren jeweils anstehende politische Entscheidungen, von denen wir annahmen, dass ein negativer Ausgang zu schweren Verwerfungen in der Wirtschaft und damit an der Börse führen könnte.

So waren wir im Sommer 2011 überzeugt, dass ein Scheitern des Rettungspakets für Griechenland vor allem das europäische Bankensystem hart treffen würde und die wirtschaftliche Erholung nach der Krise von 2007/08 abrupt beenden könnte. Eine neue Bankenkrise und ein Rückfall in die Rezession mit entsprechenden Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne – auch ausserhalb des Finanzsektors – wären die wahrscheinlichen Folgen gewesen, weil das Bankensystem für diesen Fall noch nicht gewappnet war. Es drohte somit erneut eine heftige Börsenkorrektur. In dieser Situation wollten wir verhindern, dass unsere Fonds schon wieder einen starken Rückschlag hinnehmen mussten wie nach der Lehman-Pleite 2007 und kauften darum Index-Puts.

Die Kriterien für eine Absicherung waren und sind:

  1. Es muss ein Ereignis drohen, das zu schweren Verwerfungen von Wirtschaft und Börse führen könnte.
  2. Es muss eine realistische Wahrscheinlichkeit bestehen, dass das Ereignis eintritt.
  3. Der Aktienmarkt hat das Ereignis noch nicht eskomptiert, das heisst, in den Kursen berücksichtigt.
  4. Die Absicherung via Index-Puts muss zu einem vernünftigen Preis möglich sein.

2011 kam zwar ein Rettungspaket für Griechenland zustande, aber der Markt brach dann trotzdem ein, weil im US-Kongress eine Budgetblockade drohte, welche die grösste Volkswirtschaft der Welt in einem kritischen Moment schwer beeinträchtigt und die globale Konjunkturerholung gefährdet hätte. Der Classic Global Equity Fund verlor in der Folge 2011 zwar immer noch 11.4%, aber ohne unsere Absicherung wären es 4.5%-Punkte mehr gewesen.

Wir betrachten die Absicherung wie eine Versicherung. Wir sind bereit, eine gewisse Versicherungsprämie zu bezahlen, um uns gegen einen grossen Schaden zu schützen. Wir sind natürlich froh, wenn unser Haus nicht brennt und wir die Versicherung nicht in Anspruch nehmen müssen.

So wie bei unseren weiteren Absicherungen. Wir haben uns Ende 2012 erneut gegen eine Fiskalblockade in den USA abgesichert, im Sommer 2014 gegen die Ukraine-Krise und im letzten Jahr gegen eine mögliche Wahl von Donald Trump sowie das Verfassungsreferendum in Italien. Alle Ereignisse sind zwar eingetreten, aber in keinem Fall brach die Börse ein. Insgesamt haben uns diese Absicherungen zusammen 2.1%-Punkte an Versicherungsprämien sprich Performance gekostet. Zusammen mit den 4.5%-Punkten Gewinn aus dem Jahr 2011 resultierte netto bis heute ein Gewinn von 2.4%-Punkten.

Sie werden sich fragen, weshalb wir uns via Index-Puts und nicht über Index-Futures absichern? Index-Puts haben gegenüber Futures den Vorteil, dass sie gegen Kurseinbrüche schützen und zugleich das Kurspotential nach oben offen lassen. Denn Puts steigen unbeschränkt, wenn die Kurse sinken, aber man kann im umgekehrten Fall nur den Einsatz verlieren, denn sie sinken nicht unter Null. Futures, hingegen, steigen und sinken uneingeschränkt im Einklang mit den zugrunde liegen Aktienindices. Da die Eintritts-Wahrscheinlichkeit eines negativen Ereignisses meist weniger als 50% beträgt, ist es wichtig, dass wir das Aufwärtspotential unserer Aktien aufrechterhalten.

Konkret gehen wir so vor, dass wir jeweils unseren Anteil an US-Aktien, EU-Aktien, UK-Aktien und Schweizer Aktien über die entsprechenden länderspezifischen Aktienindizes absichern – unsere Schweizer Aktien z.B. über Puts auf den SMI-Aktienindex. Wie sichern nicht immer das gesamte Portfolio ab, sondern nur jene Teile, die vom Ereignis besonders betroffen sind – wie zum Beispiel beim italienischen Verfassungsreferendum, wo wir nur den europäischen Teil unserer Anlagen gehedged haben.

Aus Kostengründen sichern wir jeweils nicht auf dem aktuellen Kursniveau ab, sondern rund 5-10% darunter. Das bedeutet, dass wir die ersten 5-10% Kursverluste schlucken und erst danach gegen weitere Kursrückschläge abgesichert sind. Würden wir jeweils beim aktuellen Kursniveau absichern, so würde uns das – je nach der aktuellen Volatilität (Schwankungsintensität bzw. Nervosität) des Marktes – rund 1-2% pro Monat kosten gegenüber 0.3-0.6% bei einem um 5-10% tieferen Absicherungsniveau. Sie sehen daraus, dass eine permanente Absicherung die gesamte Aktien-Rendite wegfressen würde. Wir kaufen die Puts jeweils ein bis drei Monate vor dem Ereignis mit Ablaufdaten etwa gleich lang danach – auch das aus Kostengründen. Je länger die Absicherung läuft, desto teurer wird sie.

Auch in diesem Jahr stehen einige politische Ereignisse an, welche die Märkte unter Umständen fühlbar in Mitleidenschaft ziehen könnten – allen voran die französischen Wahlen am 23. April mit der Stichwahl am 7. Mai. Aus Anlegersicht gut ist, dass dieses Ereignis allen bekannt ist, ebenso wie die Ungewissheit über ihren Ausgang bzw. eine mögliche Wahl von Marine Le Pen, die aus der EU und dem Euro austreten will. Die Märkte werden somit auch bei einem negativen Ausgang kaum überrascht sein. Wir bei BWM haben noch keine Entscheidung über eine Absicherung getroffen. Wir werden uns – wie immer – an den vier oben genannten Kriterien orientieren.

Bleibt noch die Frage, warum überhaupt absichern? Grundsätzlich ist die Auswahl fundamental stark unterbewerteter Unternehmen unsere Aufgabe als Value Investoren. Wenn sich jedoch die Möglichkeit eröffnet, günstig eine Versicherung zu kaufen, die einen Schutz gegen ein erkennbares grosses Risiko bringt, passt das absolut in die Strategie. Wir kaufen billige Aktien und billige Versicherungen – beides nach dem Grundsatz, mehr zu bekommen als wir dafür bezahlen.

Generell ist es eine Illusion zu glauben, dass wir dank des Instruments der Index-Puts künftig vor starken Kurskorrekturen gefeit seien. Wir werden nicht immer gehedged sein, wenn es an der Börse kracht. Und unsere Absicherung wird nicht immer so erfolgreich sein, wie wir es uns wünschen. Doch Index-Puts können uns helfen, den einen oder anderen Rückschlag abzudämpfen.

 

–Thomas Braun

Kommentare: 3

  • Andrea Raeber am 14.03.2017 um 12:53

    Sehr geehrte Herren BWM
    Ihre Absicherungsstrategie finde ich begrüssenswert. Hoffe jedoch es möge Ihnen gelingen künftig nicht mehr so oft in Top Looser zu investieren. Geduld und Langfristigkeit, schön und gut, echt langfristig sind wir jedoch alle tot und das letzte Hemd hat bekanntlich keine Taschen. Meine persönliche Strategie: Ich habe mir überlegt mit welchem Betrag ich in Aktien investiert sein möchte. Investiert habe ich nur die Hälfte von diesem Betrag. Folgt jetzt ein grösserer Einbruch so beginne ich mit meiner persönlichen Nachkaufstrategie, bei minus 20% Nachkauf mit einem drittel, fallen die Kurse noch tiefer bei minus 50% Nachkauf mit dem Restbetrag. Sobald jetzt die Erholung stattgefunden hat, nehme ich die Gewinne die durch meine Nachkaufstrategie angefallen sind mit. Auf diese Weise macht das Anlegen einfach viel mehr Spass und ist insgesamt einfach ein viel besseres Gefühl.. Anlegen orientiert an der Value Strategie finde ich gut, bin aber auch noch in einem wikifolio Aktienzertifikat mit dem Namen Value & Positive Future investiert. Die Rendite da verläuft aktuell viel erfreulicher, dennoch bleibe ich euch noch treu in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Also Value Boys vom Zürichsee auf eine positive Zukunft für uns alle…MfG Andrea R.

  • A. Romano am 15.03.2017 um 13:10

    Sehr geehrter Herr Braun,

    ich bin nicht sonderlich angetan von dieser Absicherungsstrategie, sie kostet noch einmal Punkte und die Performance des Classic Global ist ja in letzter Zeit eher mager, die Absicherung greift auch meines Erachtens zu früh, 5-10% Kursverlust sollte man als Aktienanleger aushalten können, es würde mir ausserdem ermöglichen, zu etwas günstigeren Kursen kaufen zu können, diese Chance ist so für mich vertan. Ich habe aber zugebenermassen nur einen geringen Teil meines Vermögens bei Ihnen angelegt und bin dank Sparplan im Plus.
    Ich hoffe sehr, dass Sie bald wieder an vergangene erfolgreichere Zeiten anknüpfen können.

    Mit freundlichen Grüssen
    A.R.

    • Thomas Braun am 20.03.2017 um 16:44

      Sehr geehrte Frau Romano
      Vielen Dank für Ihren Kommentar.
      Bitte erlauben Sie mir, auf zwei Punkte hinzuweisen.
      1. Wir teilen Ihre Meinung, dass ein Aktienanleger Verluste von 5-10% aushalten sollten. Deshalb beginnt unsere Absicherung erst danach.
      2. Sie verpassen wegen der Absicherung nichts, denn mit den Kursrückschlägen steigt das Erholungspotential unserer Aktien – unabhängig davon, ob wir Index-Puts halten oder nicht.
      In der Hoffnung auf weniger magere Zeiten
      Ihr Thomas Braun

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