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Markus Kaussen am 26.01.2017

Warum halten wir an den Aktien der LEONI AG fest?

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Der deutsche Spezialist für Kabel und Bordnetze LEONI AG lieferte wegen Managementfehlern in den letzten 18 Monaten vor allem negative Nachrichten. Das Mandat des Aufsichtsratsvorsitzenden läuft dieses Jahr aus und bietet eine Chance für einen Neuanfang.

Der MDAX-Wert LEONI ist in den letzten 18 Monaten vor allem mit Enttäuschungen aufgefallen. Warum halten wir trotzdem an der Investition fest?

LEONI ist aus unserer Sicht eine im Prinzip grundsolide Firma mit attraktiven Produkten in einem attraktiven Markt. Durch organisches Wachstum und diverse Übernahmen – vor allem des Bordnetzgeschäfts von Valeo im Jahr 2008 – wurde LEONI Marktführer im europäischen Markt für Automobilkabelbäume. Wir sind davon überzeugt, dass die Firma in Zukunft wieder mindestens ihre historischen Margen erreichen sollte. Auf dieser Basis erachten wir die Aktien als sehr günstig, was unser Engagement erklärt.

 

Wenn die Firma so erfolgreich ist, wie erklärt sich dann die geringe Profitabilität in den letzten Jahren?

Ein Teil der Erklärung liegt in den vorherigen Erfolgen. LEONI erwirtschaftet heute mehr als doppelt so viel Umsatz wie noch vor zehn Jahren. Ein solches Wachstum verlangt eine neue Organisationsstruktur. Bei dieser Umstrukturierung gingen Verantwortlichkeiten und Kontrollen verloren. Nur so lässt sich erklären, dass es zu groben Fehlkalkulationen bei einigen Aufträgen gekommen ist. Da Verträge in der Automobilindustrie für die Laufzeit eines Automodells gelten, werden diese Verträge die Margen noch für mehrere Jahre belasten. Ein weiteres Problem, dessen Ursache in der verunglückten Umorganisation zu suchen ist, ist die Überlastung eines erfolgreichen Werks in Rumänien mit zu vielen Aufträgen. Da rund um das Werk von LEONI weitgehend Vollbeschäftigung herrscht, ist eine Kapazitätsausweitung nur sehr teuer machbar.

 

Worum ging es bei dem Betrugsfall im letzten Jahr?

LEONI wurde Opfer der sogenannten CEO-Masche. Ein Betrüger beauftragte einen LEONI-Angestellten in Rumänien mit der Überweisung von Geld auf ein fremdes Konto. Dabei wurden E-Mails gehackt, so dass der Mitarbeiter dachte, der Auftrag käme vom Chef persönlich. Er gehorchte und überwies vermutlich in mehreren Tranchen insgesamt 40 Mio. Euro. Erst dann wurde in der Zentrale ein Mitarbeiter darauf aufmerksam und konnte weitere Überweisungen verhindern und die Polizei einschalten.

 

Was bedeutet das für uns als Investor?

Der Verlust als solcher ist schmerzhaft genug. Aber mindestens so wichtig ist für uns die Frage, was das über die interne Kultur und Kontrolle aussagt. In einer offenen und konstruktiven Fehlerkultur sollte ein Mitarbeiter hellhörig werden und solche Anweisungen hinterfragen können. Das war hier offensichtlich nicht der Fall. Auch die Zentrale muss sich fragen, warum sie die betrügerischen Überweisungen nicht früher bemerken und damit verhindern konnte.

 

Können bei all den Problemen die alten Margen wieder erreicht werden?

LEONI ist grundsätzlich eine gute Firma. Die Probleme resultieren zum größten Teil aus Managementfehlern. Deshalb freut es uns, dass der Vorstand im Oktober mit Karl Gadesmann als neuem Finanzchef verstärkt wurde – zumal er von einem direkten Wettbewerber gekommen ist und somit die Industrie sehr gut kennt. Nach dem Rücktritt von CEO Dr. Klaus Probst im Jahr 2015 fungierte Dieter Bellé über ein Jahr als CEO und CFO in Personalunion – was selten optimal ist. Sobald die selbstverursachten Fehler korrigiert sind, sollten auch wieder die alten Margen erreicht werden können.

 

Welche Bedeutung kommt da dem Aufsichtsrat zu?

LEONI muss die erwähnten Probleme hinter sich lassen und nach vorne schauen. Heute geht es darum, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Da trifft es sich gut, dass dieses Jahr das Mandat des Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Werner Rupp ausläuft. Er hat 20 Jahre lang im Aufsichtsrat, zuletzt zehn Jahre als dessen Vorsitzender, den Aufstieg des Unternehmens erfolgreich begleitet. In diese Zeit fallen aber auch die offenkundigen Fehlentscheide. Wir glauben, die Zepterübergabe an einen jüngeren, ausgewiesenen Automobilexperten würde der Gesellschaft einen Neuanfang ermöglichen.

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