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Georg von Wyss am 22.04.2016

Braun, von Wyss & Müller führt eine ESG-Politik ein

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Wir haben eine ESG-Politik geschrieben, um einige unserer Anlageprinzipien zu formalisieren. Diese beziehen sich auf die Einhaltung ethischer Grundsätze und guter Anlagepraktiken.

In den letzten Monaten haben wir einige Anfragen bezüglich unserer ESG-Politik erhalten – d.h. unsere Grundsätze in Bezug auf Umwelt, Soziales und der guten Unternehmensführung („Governance“). So war es Zeit, eine solche zu schreiben. Dies ist keine Aufgabe, die wir mit grosser Freude angegangen waren, da wir solche Dokumente mit hohlem Geschwätz in Verbindung bringen. Die Flut an regulatorischen Erfordernissen der letzten Jahre füllt bereits unsere Arbeitstage mit der Erstellung von unnützen Dokumenten, nur weil ein Gesetzgeber, oder noch wahrscheinlicher, ein Bürokrat, entschieden hat, dies sei „best practice“. Noch so eine Übung, dachten wir niedergeschlagen.

Als wir uns dann ans eigentliche Schreiben machten, entpuppte sich die Aufgabe als erstaunlich leicht. Wir stellten fest, dass wir bereits seit je her eine ESG-Politik lebten. Wir hatte sie nur nie auf Papier gebracht. Das Dokument finden sie hier >>.

Was Governance betrifft, hat unsere Webseite immer schon festgehalten, dass wir uns mit unseren Firmen aktiv auseinandersetzen. Das heisst, die oberste Geschäftsleitung zu treffen, wann immer wir die Möglichkeit dazu bekommen. Dies gibt uns nicht nur Gelegenheit, Fragen zu stellen, sondern auch Möglichkeit, Kommentare und Vorschläge zur Unternehmensstrategie anzubringen. Wir haben herausgefunden, dass unsere Meinung zählt, weil wir gut vorbereit sind, generell über die Firma gut Bescheid wissen und immer ihre langfristigen Interessen im Sinn haben. Zudem üben wir das Stimmrecht der Aktien aus. Je nach Grösse der Firma haben diese Stimmen an der Generalversammlung mehr oder weniger Gewicht. Aber selbst wenn nur eine kleine Minderheit gegen das Management stimmt, wird das Votum meistens beachtet. Wir versuchen sicherzustellen, dass dies immer der Fall ist, indem wir unsere Ansichten bei Bedarf mittels Brief an den Verwaltungsrat kundtun. Wie in unseren Grundsätzen dargelegt, glauben wir nicht, dass irgend eine Führungskraft, und sei sie noch so gut, unter normalen Bedingungen mehr als USD 10 Millionen verdienen sollte. Entsprechend stimmen wir gegen Vergütungspläne mit Zusprüchen in solcher Höhe.

In Bezug auf ökologische und soziale Anliegen waren all unsere Handlungen in der Vergangenheit durch das Prinzip geleitet, dass wir keine Anteile von Firmen halten, welche 1.) ihren Gewinn auf Kosten von Leib und Leben andere machen, oder 2.) von unehrlichen Leuten geführt werden.

Der erste Aspekt beinhaltet nicht Produkte, welche potentiell gefährlich sind, wie z.B. Tabak, Zucker oder Seile fürs Bungee-Springen. Konsumenten dieser Güter haben sich entschieden, solche Risiken einzugehen. Es liegt nicht an uns, über die Richtigkeit des Entscheids zu urteilen. Vielmehr meinen wir Firmen, welche ihre Arbeiter und Kunden ausbeuten oder deren Leben aufs Spiel setzen, z.B. durch Einsparungen bei Instandhaltungskosten. Ein Beispiel dafür ist BP, welche eine Historie von Unfällen in seinen Anlagen hatte, die lange vor dem Unglück auf der Macondo-Plattform im Golf von Mexiko zurückreicht. Ein zweites ist Valeant, dessen Gewinne mit Preistreibereien erwirtschaftet wurden – und vielleicht auch mit anderen skrupellosen Aktionen, welche erst noch ans Tageslicht kommen werden.

Der zweite Aspekt ist selbsterklärend. Unehrliche Führungskräfte werden unehrlich mit allen sein. Sowohl mit Kunden als auch mit Aktionären.

Wir sind der Meinung, dass Fehlverhalten bei öffentlichen Unternehmen zu einem bestimmten Zeitpunkt publik wird. Und dies wiederum führt zu Klagen, zum Verlust der Reputation und vielleicht sogar zum Ende des Geschäftsmodells. Dies alles wird dem Aktienpreis schaden. Wir glauben, durch unsere intensive Analyse, welche insbesondere den Fokus auf das Verständnis des Geschäftsmodells einer Firma legt, bestimmen zu können, ob ein Unternehmen gegen diese Prinzipien verstösst. Dies erlaubt uns, sowohl bessere Renditen zu erwirtschaften als auch ethisch zu handeln.

— Georg von Wyss

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