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Thomas Braun am 20.07.2015

Investment-Boutiquen erzielen tendenziell überdurchschnittlich hohe Anlagerenditen

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Eine neue Studie belegt, dass Fondsmanager nicht nur dann tendenziell outperformen, wenn sie viel eigenes Geld in ihre Fonds investiert haben, sondern auch, wenn sie in Boutiquen organisiert sind.

Im letzten Blogbeitrag haben wir darüber berichtet, dass Fonds, in die der Fondsmanager einen namhaften Betrag seines eigenen Geldes investiert hat, tendenziell outperformen. Kurz darauf sind wir auf eine Studie gestossen, die zeigt, dass nicht nur das finanzielle Engagements des Fondsmanagers einen positiven Einfluss auf die Anlagerendite hat, sondern noch andere Organisationsmerkmale des Asset Managers wie die Eigentumsverhältnisse, die persönliche Mitarbeit der Teilhaber, eine fokussierte Anlagestrategie, ein stabiles, auf den langfristigen Erfolg ausgerichtetes Umfeld inklusive langjährige motivierte Mitarbeiter.

Die Studie wurde von Affiliated Managers Group (AMG) erstellt, einem sehr erfolgreichen amerikanischen Unternehmen, das namhafte Beteiligungen an Investmentboutiquen hält und dabei den übernommenen Geldmanagern in einem partnerschaftlichen Modell völlige Freiheit beim Investieren lässt und sie darüber hinaus namhaft am Erfolg, aber auch am Misserfolg „ihrer“ Gesellschaften beteiligt.

In der Studie wurden zunächst mehr als 1200 Anlagefirmen, die alle einen aktiven Anlagestil verfolgen, in Investment-Boutiquen und Nicht-Investment-Boutiquen unterteilt. Danach wurde über den Zeitraum 1994-2014 untersucht, ob die Boutiquen besser performen als Nicht-Boutiquen und ob Boutiquen für ihre Kunden Wert generieren, indem sie – nach Kosten – besser rentieren als ihre Vergleichsindizes. (Zum Thema aktives versus passives Anlegen siehe Blogeintrag vom 27.2.2015)

Für die Unterscheidung Boutique/Nicht-Boutique wurden vier Kriterien herangezogen:

  1. Die leitenden Personen sind namhaft an der Firma beteiligt. Konkret wurde an Anteil von mindestens 10% verlangt. In den meisten Fällen waren es deutlich mehr und oft hielten die leitenden Personen die Mehrheit bis hin zu 100%.
  2. Die Firma macht nichts anderes als Geld anlegen. Banken, Versicherungen und Beratungsfirmen gelten demnach nicht als Boutiquen.
  3. Die Firma verwaltet weniger als USD 100 Milliarden, in der Regel meist deutlich weniger.
  4. Fund-of-Funds (investieren in eine Vielzahl anderer Fonds) und Smart Beta (ähnlich wie Indexfonds, Gewichtung aber nicht nach Marktkapitalisierung, sondern zum Beispiel nach Umsatz oder anderen quantitativen Grössen) gelten nicht als Boutiquen.

Die typische Boutique ist somit gemessen an der Anzahl Mitarbeiter und den verwalteten Vermögen relativ klein und fokussiert voll aufs Geldanlegen, in der Regel in einem spezifischen Anlagestil, nicht selten nach dem Value-Ansatz. Zudem besteht eine unternehmerische Kultur, da die tragenden Kräfte an der Firma beteiligt sind, die Eigentümer aktiv mitarbeiten und am langfristigen Erfolg interessiert sind. Damit sind auch die klassischen Interessenskonflikte von durch Manager geführten Unternehmen weitgehend beseitigt.

Gemäss dieser Klassifizierung waren von den über 1200 Investment-Firmen 68% Boutiquen und 32% Nicht-Boutiquen.

Gab es in den 20 Jahren von 1994-2014 tatsächlich signifikante Unterschiede in der jährlichen Performance zwischen Boutiquen und Nicht-Boutiquen? Um diese Frage zu beantworten, haben die Studienautoren elf verschiedene Aktienkategorien untersucht, angefangen bei Aktien Emerging Markets über Aktien Global bis hin zu Aktien US Small Caps, d.h. kleinkapitalisierte Unternehmen (Grafik 1).

 

Grafik 1: Investment-Boutiquen erzielen Outperformance

Blog-boutique1-20.07.15

Die Resultate sind ziemlich eindeutig. Im Durchschnitt aller Kategorien haben die Boutiquen pro Jahr 0.51%-Punkte besser performed als Nicht-Boutiquen. Am grössten war der Unterschied bei den Aktien Emerging Markets mit 1.27%-Punkten, gefolgt von Aktien Global mit 1.13%-Punkten und Aktien Small Cap Value mit 1.01%-Punkten. Nur in der Kategorie Aktien US Mid Cap (mittelgrosse Unternehmen) schnitten die Boutiquen mit -0.85%-Punkten signifikant schlechter ab, während ihre Unterperformance bei Aktien Mid Cap Value mit -0.04%-Punkten verschwindend klein war.

Dass Boutiquen besser abschneiden als Nicht-Boutiquen ist die eine Sache. Haben Boutiquen für ihre Kunden aber auch, nota bene nach Abzug ihrer Kosten, Wert generiert gemessen an einer passiven Strategie, bei der einfach der entsprechende Referenzindex der jeweiligen Aktienkategorie gekauft wird?

 

Grafik 2: Investment-Boutiquen schlagen den Markt in 7 von 11 Aktienkategorien

Blog-boutique2-20.07.15

Grafik 2 zeigt, dass diese Frage nur bedingt mit „Ja“ beantwortet werden kann. Lediglich in 7 der 11 Kategorien haben Boutiquen den Markt geschlagen, am häufigsten bei Emerging Markets, US Small Cap Value und US Small Cap Core mit einer Erfolgsquote von jeweils 59% gefolgt von Aktien Global und US Small Cap Growth mit 53%. Wenn man bedenkt, dass die Mehrzahl der aktiven Manager den Index nach Abzug ihrer Kosten den jeweiligen Referenzindex nicht schlägt, dann schneiden Boutiquen relativ gut ab.  Allerdings relativiert sich dieser Befund, da in der obigen Grafik nur die jeweiligen Jahresrenditen der Asset Manager gezeigt werden und nicht ihre Langfristperformance. Es bleibt somit beim Befund, dass langfristig nur relativ wenige Asset Manager nach Spesen den Markt schlagen – selbst wenn sie eine Boutique sind.

Unser Unternehmen, Braun, von Wyss & Müller, erfüllt die Eigenschaften einer Investment-Boutique. Wir sind überzeugt, dass dies ein Vorteil und neben dem Value-Stil eine Voraussetzung für unsere gute Langfristperformance ist.

 

— Thomas Braun

 

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