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Thomas Braun am 24.06.2015

Man sollte jene Fonds kaufen, in die der Portfoliomanager mit seinem eigenen Geld investiert ist

Kommentare: 7

Kürzlich ist auf der Webseite von „Morningstar“ ein Artikel zum Thema erschienen, ob Fonds, in die der Fondsmanager mit einem namhaften Betrag seines eigenen Geldes investiert ist, besser performen als jene ohne ein solches Engagements. Da bei Braun, von Wyss & Müller sowohl die drei Gründungspartner als auch die vier langjährigen Analysten praktisch ihr gesamtes Finanzvermögen in die Classic Fonds investiert haben, hat uns diese Analyse ganz besonders interessiert.

Der Artikel und die Studie wurden von Russel Kinnel, dem Direktor für Fundresearch bei „Morningstar“ verfasst. „Morningstar“ ist ein angesehenes börsenkotiertes US- Finanzinformationsunternehmen, das unter anderem führend in der Analyse von Anlagefonds ist.

Kinnel beschäftigte sich schon seit einiger Zeit mit der Frage, ob Anleger besser fahren, wenn sie in Fonds investieren, in die der zuständige Portfoliomanager einen namhaften Betrag seines eigenen Geldes investiert hat. Als Basis seiner jüngsten Untersuchung zu diesem Thema dienten ihm Daten der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission), die von allen in den USA zum Vertrieb zugelassenen Fonds fordert, dass ihre Portfoliomanager offenlegen, wieviel eigenes Geld sie in „ihre“ Fonds investiert haben. Dabei verlangt die Behörde nicht den exakten Betrag, sondern die  Bandbreite, in welcher sich das Engagement befindet. Die sieben Gruppen sind: USD Null, USD 1-10‘000, USD 10‘001-50‘000, USD 50‘001-100‘000, USD 100‘001-500’000, USD 500‘001-1‘000‘000 sowie über eine Million Dollar.

Als Zeitraum für seine Untersuchung wählte Kinnel die Fünfjahresperiode beginnend im Jahr 2009. Als Messgrösse für die Performance wählte er die sogenannte „Erfolgsquote“ (success rate). Diese dividiert die Anzahl jener Fonds, welche nach Abzug ihrer Verwaltungskosten eine höhere Rendite als der Durchschnitt ihrer Konkurrenten erreichte, durch die Anzahl aller Fonds, welche die Messperiode von fünf Jahren überstanden – was nur rund zwei Dritteln gelang. Dabei gruppierte Kinnel die Fonds nach der Höhe des Einsatzes ihrer Portfoliomanager in ihre Fonds gemäss den sieben Bandbreiten, welche die SEC als Offenlegung verlangt, und mass ihre jeweilige Erfolgsquote. Bei den Fonds unterschied Kinnel zwischen US Aktienfonds, globalen Aktienfonds, Mischfonds (Aktien und Obligationen), US Obligationenfonds sowie allen Fonds. Indexfonds wurden logischerweise nicht berücksichtigt.

Als Anbieter von globalen Aktienfonds gilt unser Interesse natürlich dieser Kategorie (Tabelle unten; für alle Kategorien siehe Anhang). Während jene Fonds, in die der Fondsmanager überhaupt kein eigenes Geld investiert hatte, eine Erfolgsquote von lediglich 31.5% erreichten, lag die Erfolgsquote bei den Fonds mit dem höchsten Anteil von eigenem Geld bei 67.9% – also mehr als doppelt so hoch. Dazwischen schwankten die Resultate zwischen 52.2% in der Kategorie USD 1-10‘000 und 34.7% in der Kategorie USD 10‘001-50‘000.

 

Fonds, in die der Fondsmanager stark investiert ist, haben bessere Performance – Beispiel Aktien Global
     
Vom Fondsmanager investiertes eigenes Geld Erfolgsquote
$ 0 31.5%
$ 1-10’000 52.2%
$ 10’001-50’000 34.7%
$ 50’001-100’000 48.6%
$ 100’001-500’000 45.7%
$ 500’001-1’000’000 43.8%
$ 1’000’001 oder mehr 67.9%
Quelle: Morningstar

 

Was sind die Gründe, weshalb Fonds mit einem hohen persönlichen Kapitaleinsatz des Fondmanagers (über USD 1 Mio.) signifikant besser abschneiden als jene, in welche der Fondsmanager überhaupt nicht investiert ist? Kinnel weist richtigerweise darauf hin, dass niemand einen Fonds, die Qualität der involvierten Personen, die verwendeten Analyse- und Entscheidungsprozesse sowie das interne Anreizsystem besser kennt als der zuständige Fondsmanager (das Anreizsystem kann Outperformance fördern, meist aber verleitet es zum Mittelmass; siehe Blogeintrag vom 20.12.2013). Erkennt er, dass „sein“ Fonds von eher mässiger oder gar schlechter Qualität ist, dann wird er auch kein eigenes Geld in diesen Fonds investieren. Umgekehrt: Ist ein Fondsmanager von seinem Produkt überzeugt und sieht daher die Chance auf einen überdurchschnittlichen Anlageerfolg, dann wird er in der Regel auch kräftig in seinen Fonds investieren und damit mit seinem Engagement oft die USD 1 Mio. Grenze übersteigen. Kinnel erwähnt auch Kostenüberlegungen: Ist ein Fonds sehr teuer, dann könnte der Fondsmanager nicht in den Fonds, sondern direkt in die von diesem gehaltenen Aktien investieren. Auch der Leistungsausweis der Vergangenheit dürfte eine Rolle spielen. War ein Fonds erfolgreich, dann wird sein Fondsmanager allein aus diesem Grund tendenziell mehr in ihn investieren. Dazu kommt: Je erfolgreicher ein Fonds ist, desto höher ist das Einkommen seines Managers – und desto mehr Geld hat dieser zur Verfügung, um in diesen zu investieren. Der gleiche Mechanismus arbeitet selbstverständlich auch in die entgegengesetzte Richtung. Ist die Performance schwach, dann investiert selbst sein Manager nicht in ihn und seine zu investierenden Mittel werden geringer, weil er kein erfolgreicher Fondsmanager ist.

Die Resultate der Studie stimmen mit unseren eigenen Erfahrungen überein. Alle Teammitglieder von BWM sind vom Value-Anlagestil und unserer Umsetzung desselben überzeugt. Entsprechend haben die beiden Fondsmanager der Classic Fonds, Thomas Braun und Georg von Wyss, praktisch ihr gesamtes investierbares Vermögen in „ihre“ Fonds investiert. Ebenso der dritte Gründungspartner, Erich Müller, der seine Kollegen sowie den gesamten Anlageprozess bestens kennt. Auch die übrigen Teammitglieder haben den grössten Teil bis fast alles ihres Finanzvermögens in den Classic Fonds angelegt. Indem wir uns ins gleiche Boot wie unsere Anleger setzen, sind die meisten sonst üblichen Interessenskonflikte beseitigt und wir sind automatisch auf eine möglichst hohe langfristige Rendite der Fonds fokussiert. Wir haben die Befolgung dieses Grundsatzes nicht bereut.

-Thomas Braun

 

Anhang:

Fonds, in die Fondsmanager stark investiert ist, haben bessere Performance
     
Aktien Global Erfolgsquote
$ 0 31.5%
$ 1-10’000 52.2%
$ 10’001-50’000 34.7%
$ 50’001-100’000 48.6%
$ 100’001-500’000 45.7%
$ 500’001-1’000’000 43.8%
$ 1’000’001 oder mehr 67.9%
Aktien USA Erfolgsquote
$ 0 29.0%
$ 1-10’000 28.7%
$ 10’001-50’000 29.7%
$ 50’001-100’000 33.5%
$ 100’001-500’000 36.5%
$ 500’001-1’000’000 31.9%
$ 1’000’001 oder mehr 39.1%
Mischfonds (Aktien und Obligationen) Erfolgsquote
$ 0 31.7%
$ 1-10’000 21.4%
$ 10’001-50’000 52.6%
$ 50’001-100’000 76.9%
$ 100’001-500’000 50.0%
$ 500’001-1’000’000 64.3%
$ 1’000’001 oder mehr 84.6%
Obligationen Erfolgsquote
$ 0 41.7%
$ 1-10’000 35.3%
$ 10’001-50’000 40.2%
$ 50’001-100’000 56.9%
$ 100’001-500’000 55.5%
$ 500’001-1’000’000 47.1%
$ 1’000’001 oder mehr 42.3%
Alle Fonds Erfolgsquote
$ 0 34.9%
$ 1-10’000 36.2%
$ 10’001-50’000 35.5%
$ 50’001-100’000 43.3%
$ 100’001-500’000 42.6%
$ 500’001-1’000’000 40.3%
$ 1’000’001 oder mehr 46.7%
Quelle: Morningstar

 

Kommentare: 7

  • John Doe am 24.06.2015 um 11:14

    Immer wieder interessant solche (entbehrlichen) Studien, für jemanden mit ein wenig Ahnung vom Investieren, sowie einer gesunden Portion Menschenverstand, war der Ausgang der Studie schon vor deren Auswertung bekannt.

    Wenn ich zum Essen eingeladen werde, der Gastgeber aber sein eigenes Menü verschmäht, dann werde ich misstrauisch.

    • Thomas Braun am 24.06.2015 um 14:14

      Sehr geehrter Herr XY
      Vielen Dank für Ihren Kommentar. Auch wir finden gesunden Menschenverstand wichtig. Doch es schadet nie, selbst diesen mit Daten zu überprüfen. Immerhin ist dies die erste Studie zu diesem Thema, die uns unter die Augen gekommen ist.
      Thomas Braun

      • John Doe am 24.06.2015 um 15:44

        Sehr geehrter Herr Braun

        Sie haben natürlich Recht, es ist, vor allem für mich als Investor in Ihren Fonds, sehr aufschlussreich, wenn mein gesunder Menschenverstand durch Zahlen und Fakten bestätigt wird im richtigen Fonds investiert zu sein.

        Deswegen herzlichen Dank für diese aufschlussreiche Studie.

  • Jürg Bühler am 24.06.2015 um 13:10

    In der Aufstellung unten meinten Sie wohl 1’000’001 und mehr (und nicht 100’001 und mehr? Wenn man die Gesamtheit der Fonds anschaut, ist das Ergebnis leider nicht so signifikant wie es Ihr Beispiel „Aktien Global“ erscheien lässt.
    Interessanterweise ist auch ein „Sweet spot“ bei 50’001-100’000 auzumachen. Wie wird dieser begründet?

    • Thomas Braun am 24.06.2015 um 14:14

      Sehr geehrter Herr Bühler
      Vielen Dank für Ihren Kommentar und die Korrektur.
      Noch signifikanter sind die Ergebnisse bei den Mischfonds – und nicht signifikant bei den Obligationenfonds. Sowohl dies als auch den „Sweet spot“ kann ich Ihnen nicht erklären. Hier wären weitere Untersuchungen nötig.
      Thomas Braun

  • L. am 29.01.2016 um 16:22

    Sehr geehrter Herr Braun

    Im Nachgang zu Ihrer Präsentation von dieser Woche würde mich noch interessieren, wie die eigene Investition der Partner und Mitarbeiter in die Classic Fonds bei BWM institutionell verankert ist (inwiefern besteht eine formelle Verpflichtung, Aktienanlagen ausschliesslich über die Classic Funds zu tätigen?).

    Könnten Sie zudem – entsprechend der zitierten Studie – eine Bandbreite angeben, in welchem Mass die Partner in den beiden Fonds investiert sind (Prozentbandbreite des jeweiligen Fondsvolumens)?

    Ich Danke Ihnen für die aufschlussreichen Informationen in Ihrem Blog, die ich sehr schätze.

    Mit besten Grüssen
    L.

    • Thomas Braun am 01.02.2016 um 16:24

      Sehr geehrter Herr L.
      Vielen Dank für Ihre Fragen.
      Es besteht keine formelle Verpflichtung, sondern ein Gentlemen’s Agreement.
      Die drei Gründungspartner haben seit Firmenstart an der Börse nur in die Classic Fonds investiert.
      Das gilt im Wesentlichen auch für unsere langjährigen Mitarbeiter.
      Bei beiden Fonds befinden sich die Partner in der höchsten der in der Studie zitierten Klassen, d.h. eine Million Dollar oder mehr.
      Thomas Braun

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