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Georg von Wyss am 20.03.2015

Der „beste“ Fonds ist nicht der beste für jedermann

Kommentare: 2

In der jüngsten „Bilanz“-Geschichte über die „besten Fonds der Welt“ sind unsere Fonds nicht aufgetaucht – aus gutem Grund. Denn nicht alle Anleger definieren „den besten Fonds“ als jenen mit der höchsten Rendite über den gemessenen Zeitraum, sondern wenden andere Kriterien an.

Im Januar herrschte eine gewisse Aufregung in unseren Büros. Denn obwohl unsere Fonds im Jahr 2014 schlechter als der Referenzindex waren, wussten wir, dass wir in den Ranglisten über drei und fünf Jahre gut abschneiden würden dank unserer sehr guten Performance in den Jahren 2010, 2012  und 2013. Jedes Mal, wenn eine Publikation mit einer Geschichte über Top-Fonds erschien, schauten wir gespannt auf die Kategorie „Aktien Global“. Als wir die Februar-Ausgabe 2015 des Wirtschaftsmagazins „Bilanz“ mit einem Artikel über die „besten Fonds der Welt“ erhielten, fanden wir keine Erwähnung unserer Fonds. War dem Autor ein Fehler unterlaufen? Unsere Assistentin Denise war kurz davor, ein böses Email zu schreiben, als einer von uns den Artikel im Detail las.

Es stellte sich heraus, dass „Bilanz“ andere Messkriterien herangezogen hatte als jene, die wir erwartet hatten. In den Fünf-Jahres-Ranglisten werden Fonds vornehmlich nach ihrer Gesamtrendite über diese Periode klassifiziert. „Bilanz“ hingegen benutzte die Analyse von e-fundresearch, welche besonders grosses Gewicht auf konsistent gute Performance  innerhalb der fünf Jahre legte (Tabelle 1). Das bedeutet, dass ein Fonds in jedem einzelnen der fünf Jahre relativ zu den anderen Fonds gut abschneiden musste. Daraus resultierte eine Rangliste, in der keiner der Fonds mit der besten Fünf-Jahres-Rendite unter den Top-Fonds auftauchte (Tabelle 2). Andere Anbieter von Fondsranglisten machen auch eine Korrektur für Konsistenz bzw. Volatilität, wobei sie selten bekannt geben, wie viel Einfluss diesen Faktoren beigemessen wird.

Tabelle für blog deu 20.03.2015

Allen zehn Fonds gelang es, den Referenzindex, den MSCI World Index, über die untersuchten fünf Jahre zu schlagen. Doch die Unterschiede in der Gesamtperformance sind enorm. Auch die Rendite-Differenzen  in jedem einzelnen Jahr sind gross, wie die untenstehenden Grafiken zeigen. In ihnen sind alle zehn Fonds für jedes Jahr aufgeführt, die Gewinner der „Bilanz“ jeweils in blau. Die Top-Performer gemessen an der Gesamtrendite über die Gesamtperiode hatten mehr Jahre mit Spitzenresultaten als die Top-Performer gemäss „Bilanz“, aber sie hatten auch mehr Jahre, in denen sie deutlich schlechter als der Index abschnitten. So lag beispielsweise unser Classic Global Equity Fund im Jahr 2011 7%-Punkte unter dem MSCI, übertraf diesen 2013 aber um 19.7%-Punkte (basierend auf Daten von Bloomberg und nicht auf jenen in unseren Geschäftsberichten).

grafik 1 blogeng 18.03.2015

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Im Gegensatz dazu lagen die Renditen der „Bilanz“-Gewinner näher um jene des Referenzindex. Diese Fonds waren zwar in positiven Jahren meist besser als der Index, aber nicht um so viel wie die renditemässig besten Fonds. Hingegen schnitten alle „Bilanz“-Gewinner im Negativjahr 2011besser ab als der Index, indem sie nur geringe Verluste erlitten. Insgesamt wiesen ihre Resultate eine kleinere Schwankungsbreite auf als die der renditestärksten Fonds.

Wir würden zwar gerne behaupten, dass in der Performancemessung nur die Gesamtrendite zählt. Doch ehrlicherweise können wir das nicht. Denn es ist sinnvoll, nach Fonds zu suchen, die beständig eine gute Rendite liefern. Idealerweise schlägt ein guter Fonds den Index in jedem Jahr. In der Realität ist dies aber nicht möglich. Taucht ein solcher Fonds trotzdem einmal auf, ist das sogar ein Grund misstrauisch zu werden, wie der Fall Madoff gezeigt hat. Denn um besser als der Index zu sein, muss ein Fondsmanager ein Aktienportfolio zusammenstellen, das sich von der Zusammensetzung des Index unterscheidet. Es ist jedoch so gut wie sicher, dass einige dieser Titel über eine gewisse Zeitperiode das Portfolio relativ zum Markt belasten werden. Die Fundamentaldaten, auf die Analysten und  Portfoliomanager ihre Entscheidungen abstützen, bestimmen zwar langfristig die Kursentwicklung einer Aktie. Kurz- und mittelfristig können sich die Kurse jedoch aufgrund von neuen Informationen, Emotionen sowie der Bewegung des gesamten Marktes unberechenbar bewegen. Dieses Risiko einer vorübergehenden Unterperformance ist umso grösser, je weniger Titel und entsprechend grössere Positionen in einem Portfolio sind.

Nicht nur ist es praktisch unmöglich, konsistent den Benchmark zu schlagen, sondern ein Fonds kann auch in der Liste weit oben rangieren, weil es immer Fondmanager gibt, die in einem Jahr aus reinem Zufall gut abschneiden. Oder der Manager ist eine grosse Wette eingegangen, die aufgegangen ist. Weder das eine noch das andere ist Ausdruck von nachhaltigen Fähigkeiten. Ein Weg, um fähige Manager zu identifizieren, ist darauf zu schauen, ob sich ein Fonds in der Mehrzahl von mindestens fünf Jahren relativ zum Index gut entwickelt hat. Alle Fonds in beiden Ranglisten haben diesen Test bestanden.

Da auch Fonds mit einem guten langfristigen Leistungsausweis stets auch schlechte Jahre haben, stellt sich für den Fondsanleger die Frage, wie gross die Unterperformance gegenüber dem Referenzindex für ihn sein darf. Ein kurzer Blick auf unsere unwissenschaftlich kleine Stichprobe von zehn guten Fonds zeigt, dass jene mit einer relativ kleinen Outperformance dazu tendieren, auch eine relativ geringe Unterperformance zu haben – und umgekehrt. Auch wir würden gerne unsere Verluste in schlechten Jahren reduzieren, aber natürlich unsere hohe Outperformance in guten Jahren behalten. In der Praxis scheinen jedoch die grossen kurzfristigen Schwankungen der Preis für eine möglichst hohe Rendite in der langen Frist zu sein.

Unsere Präferenz für eine möglichst hohe langfristige Rendite ist nicht jedermanns Sache. Viele Anleger wünschen oder benötigen eine jährliche Performance, die mehr oder weniger jener des Referenzindex entspricht. Das trifft vor allem für professionelle Inverstoren zu, deren Bonus auf Basis ihrer Jahres- und nicht ihrer Langfrist-Performance bestimmt wird. Es gibt auch viele Privatanleger mit einer hohen Verlust-Aversion, für die ein Verlust von x Prozent psychologisch viel schwerer wiegt als ein Gewinn von gleicher Höhe. Für solche Anleger ist die Methode, welche e-fundresearch anwendet, bestens geeignet. Auch Profis mögen eine hohe Verlust-Aversion haben. Doch für sie bedrohen Verluste, vor allem jene relativ zum Index, eher ihre Karriereaussichten als ihre Psyche.

Unser Ziel ist die Maximierung der langfristigen Rendite, und wir sind zu diesem Zweck recht radikal in unserer Bereitschaft, vorübergehende Unterperformance wie auch Volatilität zu tolerieren. Erstens halten wir ein hoch konzentriertes Portfolio von nur 20-30 Ideen. Zudem gehen wir davon aus, wenn wir ein Unternehmen bewerten, dass der Kurs den fairen Wert innerhalb von drei Jahren erreichen wird – was leider nicht immer der Fall ist. Dabei versuchen wir nicht zu erraten, wann dies passieren wird. Sollte die Aktie jahrelang an Ort treten und erst am letzten Tag auf den fairen Wert emporschnellen, dann ist für uns die Rechnung aufgegangen. Mit gründlichem Research versuchen wir die Risiken zu identifizieren und zu meiden, dass das Unternehmen Bankrott geht, bevor es sein Bewertungspotential ausschöpfen konnte, oder dass sich der innere Wert als nicht nachhaltig erweist. Zu diesem Zweck unterziehen wir Bilanz und Cashflow einem strengen Stresstest, bzw. machen wir eine gründliche Analyse des Geschäftsmodells und kaufen nur mit einer grossen Sicherheitsmarge.

Aufgrund unseres aktiven Value-Stils und der auf unsere besten Ideen konzentrierten Portfolios werden wir auch künftig mit Sicherheit nicht auf jeder Liste der „besten“ Fonds auftauchen, selbst wenn wir weiterhin langfristig überdurchschnittlich hohe Renditen erzielen sollten. Wir müssen uns daran gewöhnen.

–Georg von Wyss

Kommentare: 2

  • B. Korner am 20.03.2015 um 19:51

    Für viele Anleger ist wohl auch der optimale Einstiegszeitpunkt ein wichtiges Kriterium.
    Bei Fonds mit sehr hoher Volatilität kann da natürlich auch die Unsicherheit und damit die Hemmschwelle zum Einstieg gross sein.

  • Lipp am 20.03.2015 um 21:33

    Dann würd ich mal sagen, weitermachen so. Für mich stimmts. Good job.

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