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Thomas Braun und Markus Kaussen am 25.09.2013

Der langfristige Leistungsausweis von Fonds ist ein Indikator für zukünftige Outperformance

Kommentare: 4

Ein Investor muss aus tausenden von Fonds auswählen. Ranglisten zeigen, welche Fonds die besten in den letzten Jahren waren. Allerdings sind diese Informationen zum grössten Teil nutzlos. Was wirklich zählt, ist der langfristige Leistungsausweis verbunden mit qualitativen Kriterien.

 

Aus der riesigen Auswahl an globalen Aktienfonds in der Schweiz — gemäss Morningstar, einem Unternehmen, das Fonds analysiert, sind es 1‘596 — weist der Classic Global Equity Fund per Ende August die beste Performance über die letzten drei und fünf Jahre aus, jeweils gefolgt vom Classic Value Equity Fund auf Platz 2. Auch über ein Jahr stehen beide Fonds mit Platz 5 (Classic Global) und Platz 8 (Classic Value) in der Spitzengruppe. Diesen Leistungsausweis sehen wir natürlich gerne. Auch wenn wir überzeugt sind, dass unsere Performance viel mit unserem Value-Stil und der Art, wie wir ihn umsetzen, zu tun hat, darf man nicht vergessen, dass Renditen über diese Zeiträume stark vom Zufall beeinflusst sein können. Sie alleine sagen deshalb wenig über die Qualität eines Fonds aus. Gibt es denn bessere Anhaltepunkte, um aus diesem riesigen Angebot jene Fonds ausfindig machen, die langfristig eine befriedigende Rendite bieten?

Ein guter Startpunkt sind sicher Performance-Zahlen über zehn Jahre, da sich über diesen Zeitraum Glück und Pech eher ausgleichen. Es können jedoch nur 359 der insgesamt fast 1‘600 globalen Aktienfonds einen zehnjährigen Leistungsausweis zeigen. Darunter befinden sich effektiv nur 173 Einzelfonds, da es von vielen Fonds verschiedene Anteilstranchen gibt (z.B. eine CHF- und eine EUR-Tranche oder eine Tranche für institutionelle und eine für Privatinvestoren). Dass es so wenige ältere Fonds gibt, liegt zum einen an vielen Neulancierungen, aber auch daran, dass viele Fonds ihren zehnten Geburtstag nicht erleben. Vor allem die wenig erfolgreichen Produkte werden oft liquidiert oder mit anderen Fonds zusammengelegt. Die Verteilung der 10-Jahresrenditen (per Ende August 2013) der 173 Fonds zeigt die folgende Grafik.

Der durchschnittliche Fonds (Median) hat mit einer Gesamtrendite von 26%  über die letzten 10 Jahre (2.3% p.a.) leicht schlechter abgeschnitten als der MSCI-Weltaktienindex mit 31% (2.7% p.a.). Die Masse der Fonds ist um den Median gruppiert, was nahelegt, dass sie im wesentlichen den MSCI kopieren. Man kann sie als pseudo-aktive Fonds bezeichnen, die sich oft nur deshalb als aktiv bezeichnen, um ihre relativ hohen Gebühren zu rechtfertigen.

Das vorzeitige Ausscheiden vor allem der schlechten Fonds führt zudem zu einer Verzerrung der Durchschnittsrendite nach oben. US-Studien geben diesen „survivorship bias“ mit etwa 1% p.a. an. Korrigiert um diesen Effekt lag die Performance des Durchschnittsfonds über die letzten zehn Jahre um 1.4% p.a. unter dem Index. Dieser Rückstand entspricht zum grossen Teil den jährlichen Gebühren. Wenn man aber im Durchschnitt die Marktrendite minus Gebühren bekommt, bestehen erhebliche Zweifel, ob es sich lohnt, überhaupt in einen aktiv verwalteten Fonds zu investieren. Ein Indexfonds oder ETF (Exchange Traded Fund) bildet passiv die Entwicklung des Gesamtmarktes zu wesentlich tieferen Kosten ab.  Mit Indexfonds/ETFs kann man zwar nicht besser sein als der Markt, aber man ist wenigstens sicher, nicht sehr viel schlechter als dieser abzuschneiden.

Die Grafik zeigt aber auch, dass es eine Gruppe von Fonds gibt, die deutlich besser abschneiden als der Gesamtmarkt. Sind darunter vielleicht eher die Gewinner in der Zukunft zu finden? Wir haben mit dem Datenmaterial, das uns vorliegt, untersucht, ob die Gewinner einer 10-Jahres Periode auch die Gewinner der nächsten 10 Jahren sind. Unsere Daten enthalten nur 22 in der Schweiz zugelassene globale Fonds mit einem derart langen Track Record. Von den besseren 11 der Periode August 1993 bis August 2003 haben 8 bzw. 73% den Median der Fondsrenditen auch in den folgenden zehn Jahren (bis Ende August 2013) geschlagen (Tabelle unten). Dass 8 oder mehr Fonds in beiden Perioden zu den Gewinnern gehören, hätte nur mit 11% Wahrscheinlichkeit per Zufall passieren können. Dies deutet darauf hin, dass Fonds mit einer guten 10-Jahresperformance auch künftig mehrheitlich gute Resultate liefern.

Bei der Untersuchung zweier aufeinanderfolgender 5-Jahresperioden ab August 2003 zeigte sich kein Zusammenhang zwischen Gewinnern in der ersten und der zweiten Periode. Mit anderen Startpunkten fanden wir wieder einen positiven, wenn auch schwachen, Zusammenhang. Anders gesagt, die Performance über kurze Perioden identifiziert nicht unbedingt gute Fonds. Über längere Perioden scheint sie dies zu tun.

Die folgende Tabelle zeigt alle Fonds, die über die letzten zehn Jahre (per Ende August 2013) 6% und mehr pro Jahr rentiert haben.  Die Beschränkung ist natürlich etwas willkürlich. Wenn Sie mit einer grösseren Auswahl beginnen möchten, können wir Ihnen die vollständige Liste zukommen lassen, oder sie konstruieren sie selber aus der Fondsdatenbank auf www.morningstar.ch.

All diese Fonds haben bewiesen, dass sie über zehn Jahre eine sehr gute Rendite erwirtschaften können und bilden deshalb einen guten Startpunkt für die persönliche Fondsauswahl. Ab hier ist die Selektion leider mehr Kunst als Wissenschaft. Im Blogeintrag Fonds-Umtauschvorschläge: Was Sie beachten sollten vom 30.6.2012 hat Thomas Braun bereits einmal auf die wichtigsten Punkte hingewiesen, auf die man bei der Fondsauswahl achten sollte. Dazu zählen  unter anderem:

  • Versuchen Sie zu verstehen, wie der Fondsmanager die gute Rendite erzielen konnte. Die Anlagestrategie, die zu dem Erfolg geführt hat, sollte für Sie verständlich sein.
  • Ist der aktuelle Manager/das aktuelle Anlageteam das gleiche, das auch die historische Performance zu verantworten hat, oder hat ein Managerwechsel stattgefunden?
  • Ist der Fonds heute deutlich grösser als im Durchschnitt der betrachteten Periode? Mit einem übermässig grossen Fonds ist es schwieriger, eine gute Rendite zu wiederholen.

Weiter ist es sehr positiv, wenn die Portfolio Manager ihr eigenes Geld zum grössten Teil im eigenen Fonds investiert haben.

Wenn man überzeugt ist, den richtigen Fonds gefunden zu haben, darf man sich nicht von einer Phase schlechter Renditen verängstigen lassen. Es ist ein Mythos, dass ein guter Fondsmanager in jedem Umfeld eine gute Rendite erwirtschaften kann. Das Gegenteil ist der Fall. Selbst die besten Fonds zeigen in etwa einem Drittel der Zeit eine unterdurchschnittliche Performance – was übrigens auch erklärt, warum kurze Performanceperioden von fünf oder weniger Jahren wenig über die Zukunft aussagen. Die folgende Grafik zeigt chronologisch angeordnet die jährlichen Renditen relativ zum Markt der oben genannten Top-Fonds über die letzten zehn Jahre. Jedes Jahr endet im August, und das älteste Jahr (September 2003 – August 2004) ist zuoberst und im dunkelsten Blau dargestellt. Bei allen Fonds mussten die Anleger für ihre langfristig sehr gute Rendite jeweils zwei bis vier Jahre Underperformance in Kauf nehmen.

Um langfristig erfolgreich zu sein, braucht man also Geduld – manchmal sogar sehr viel Geduld –, um auch längere Durststrecken durchzuhalten. Dies ist der Preis, den man für langfristige Überrenditen zahlen muss. Hält man durch, kann es sich aber sehr lohnen, in ausgewählte aktive Fonds zu investieren.

Nebenbei: Bedauerlicherweise haben wir bisher keine Studien gefunden, welche die langfristigen Renditen von Fonds analysieren. Stattdessen konzentrieren sich die Untersuchungen auf kürzere Zeiträume und zielen damit am wirklichen Problem des Anlegers vorbei: Wie in der Studie zur Sockel-Überschuss-Methodedargelegt, haben sogar Frischpensionierte einen Anlagehorizont von mindestens30 Jahren – und Erwerbstätige einen noch viel längeren. Wir hoffen sehr, dass sich die Wissenschaft an dieser Realität orientieren wird.

–Thomas Braun und Markus Kaussen

Wir danken Herrn Otto Kober von Lipper Thomson Reuters (www.lipperweb.com), einem Spezialisten für Fonds-Daten und -Analysen, sowie den Herren David Saaty und Michael Mahler von GI Global Invest (www.globalinvest.ch), einem Spezialisten für die Auswahl von erfolgreichen Fonds, für den wertvollen Dialog, den wir mit ihnen im Vorfeld unseres Beitrags führen durften, ganz herzlich. Für den Inhalt und etwaige Fehler des Beitrags sind Thomas Braun und Markus Kaussen allein verantwortlich.

Kommentare: 4

  • Nicole Müller am 02.10.2013 um 19:03

    Ich danke Ihnen für Ihren interessanten Artikel. Es ehrt Sie, dass Sie den Konkurrenzvergleich nicht scheuen. Ich bleibe beim Classic global Equity und warte auf den nächsten Einbruch, um ordentlich nachzukaufen. Freundliche Grüsse. NM

  • R. Näf am 10.10.2013 um 13:57

    Es ist immer interessant solche Artikel zu lesen. Es freut mich dass die Classic Fond immer vorne dabei sind. Die lange Zeit die ich schon dabei bin, zeigt den Erfolg für mich. Ein langer Horizont ist sehr wichtig für den Erfolg.
    Gruss R.N

  • Markus am 05.11.2014 um 18:07

    Wie sieht die ganze Betrachtung bei einer passenden Benchmark und nach Kosten aus?
    Emerging Markets, Rohstoffe, Value-Stile, small oder large caps…
    Ein Indexler kann auch Emergings nach BIP gewichten, grobe Value Komponenten wie Dividenden/Buchwert etf`s und small caps reinbringen…

    • Markus Kaussen am 06.11.2014 um 12:41

      Sehr geehrter Markus

      Vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Blogeintrag.
      Zum ersten Teil Ihrer Frage kann ich bestätigen, dass alle Performancezahlen in unserem Artikel selbstverständlich nach Kosten und Gebühren sind (ausser der Depotgebühr und den Kosten beim Kauf des Fonds, die der Kunde seiner Bank bezahlen muss).
      Die Sortierung der Fonds nach einer passenden, das heisst gleichen, Benchmark, oder nach dem gleichen Investmentuniversum oder Investmentstil (Emerging Markets, Rostoffe, …) ist nicht ganz einfach. Es gibt globale Aktienfonds, die weltweit in Aktien investieren dürfen, aber zum Beispiel in der Praxis (fast) nur in Emerging Markets oder in Rohstoffaktien tätig sind. Wir selber dürfen weltweit in Aktien investieren, konzentrieren uns aber Westeuropa und Nordamerika, da wir diese Märkte am besten verstehen. Nach Stil oder Marktkapitalisierung zu unterscheiden ist noch schwieriger, da jeder Fonds Value oder Small Cap anders definiert.

      Um die Untersuchung praktikabel und ohne subjektive Vorselektion durchzuführen, haben wir uns auf die Definitionen von Morningstar gestützt. Morningstar unterscheidet zwischen neun (!) globalen Aktienfondskategorien (Aktien Global Frontier Market, Aktien Global währungsgesichert, Aktien weltweit dividendenorientiert, Aktien weltweit Flex-Cap, …). Da alle 1‘596 Fonds in diesen neun Kategorien von Morningstar als „globale“ oder „weltweite“ Fonds bezeichnet werden, haben wir die gesamte Gruppe betrachtet. Trotzdem blieben nur 22 Fonds übrig, die den notwendigen 20-jährigen Trackrecord ausweisen, um zwei unabhängige 10-Jahresperioden untersuchen zu können.

      Im letzten Teil Ihrer Frage sprechen Sie den Investmentstil Smart Beta an. Dabei werden Portfolios konstruiert, in denen Aktien weder aktiv durch Portfoliomanager noch passiv gemäss Marktkapitalisierung gewichtet werden. Stattdessen werden die Titel nach einem ökonomischen Kriterium wie Umsatz, Buchwert oder Dividendenrendite gewichtet oder einer Mischung aus mehreren solchen Fundamentaldaten. Typischerweise enthalten solche Portfolios auch einen Valuetilt, da beim Rebalancing jene Aktien abgebaut werden, die sich im Verhältnis zum Fundamentalkriterium überdurchschnittlich gut entwickelt haben – und umgekehrt.

      Unser Anliegen war nicht, Indexfonds schlecht zu reden. Im Gegenteil: Wir sind davon überzeugt, dass sie eine sehr gute zweitbeste Wahl sind. Da es immer gute und schlechte aktive Fonds gibt, wollten wir vielmehr untersuchen, ob man diese im Voraus anhand der vergangenen Renditen unterscheiden kann. Bei allen methodischen Mängeln unserer Untersuchung (z.B.: survivorship bias), sie liefert zumindest ein gutes Indiz dafür, dass die langfristige historische Rendite die zukünftige langfristige Rendite besser vorhersagt als ein Münzwurf.

      Freundliche Grüsse
      Markus Kaussen

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