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Markus Kaussen am 27.08.2013

Macht das Tablet dem PC den Garaus?

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Drei grosse Positionen der Classic Fonds sind unter Druck, weil sie gegenüber dem rückläufigen PC-Markt exponiert sind. Die niedrigen Bewertungen ihrer Aktien implizieren, dass dieser Markt weiter schrumpfen wird. Wir hingegen sind überzeugt, dass das nicht der Fall ist und sehen die tiefen Kurse als Chance für die Fonds.

Seit der Einführung des iPads von Apple vor drei Jahren hat der Tablet-Computer eine grandiose Erfolgsgeschichte geschrieben. Gleichzeitig sind im letzten Jahr die Absätze von PCs (womit wir sowohl Desktops als auch Laptops meinen) erstmals seit 2001 gegenüber dem Vorjahr gesunken. Viele Investoren machen sich nun Sorgen, dass mobile Geräte den PC ersetzen werden, wenn nicht ganz, dann doch weitgehend. Wir hingegen sind überzeugt, dass diese Angst übertrieben ist und sie die Kurse der betroffenen Aktien übermässig belastet hat. Deshalb halten die Classic Fonds gleich drei „PC-Aktien“: Hewlett-Packard (HP), Intel und Microsoft, (im Global 11.5% und im Value 12.5% des Portfolios).

Der Erfolg der Tablet-Computer ist bisher weitestgehend ein Phänomen aus dem Privatbereich. In Unternehmen werden Tablets kaum PCs ersetzen, weil Tablets vor allem zum Medienkonsum geeignet sind und weniger für produktives Arbeiten. Dafür sind eine Tastatur und ein grosser Bildschirm unverzichtbar. Selbst bei Privatnutzern sind Tablets aus diesem Grund Zweit- oder Drittgeräte und haben nur wenige PCs ersetzt – meine Kollegen bei BWM, die ein Tablet besitzen, benutzen ihre PCs unter anderem um Dateien zu bearbeiten, v.a. die Fotos ihrer Kinder, und die Tablets, um die Fotos zu zeigen. Letztes Jahr gaben in einer Studie in Amerika 73% der Tabletbesitzer an, zusätzlich noch ein Smartphone undein Notebook zu besitzen. Unter denen, die sowohl ein Notebook als auch ein Tablet besassen, gaben 68% an, eher auf das Tablet als auf das Notebook verzichten zu können. Interessanterweise lag die Zahl unter den 18-22-jährigen sogar bei 92% und bei nur 60% für die über 66-jährigen.

Auch Sicherheitsaspekte sprechen für den PC. Das Szenario der breiten PC-Substitution durch Tablets geht nur auf, wenn man alle Daten und Rechenleistungen aus der „Cloud“, also von externen Anbietern, bezieht. Nicht erst die NSA-Enthüllungen der letzten Wochen lassen es unwahrscheinlich erscheinen, dass besonders Unternehmen, aber auch Private, ihre IT so radikal nach aussen verlagern werden. Selbst wenn die Datensicherheit einmal gewährleistet wäre, würden nur die wenigsten Firmen das Risiko eines Leitungsunterbruchs, welcher ihre Mitarbeiter zur Untätigkeit verurteilen würde, in Kauf nehmen. Die „Cloud“ mit ihren Vorteilen wird sicherlich weiter an Bedeutung gewinnen, aber auf absehbare Zeit den PC bzw. das eigene Netzwerk nicht ersetzen.

Der aktuelle Rückgang bei den PC-Verkäufen hat mehrere Gründe. Zum einen sind wirtschaftliche Unsicherheiten zu nennen, zum anderen die Unbeliebtheit des Betriebssystems Windows 8, die Kunden – Unternehmen wie Private – dazu verleitet haben, lieber etwas länger mit einem Neukauf zu warten. Auch vier Jahre alte PCs sind gut genug, um noch zwei bis drei Jahre weiter genutzt werden zu können. Nur der Absatz von Laptops hat wegen Tablets nachweislich gelitten, da diese eine attraktive Alternative sind für diejenigen Benutzer, die auf ihrer Maschine vor allem E-mails bearbeiten und Medien konsumieren. Der Ersatzzyklus von Laptops hat sich von gut vier Jahren vor der Einführung der Tablets auf heute knapp sechs Jahre verlängert. Das ist nun etwa gleich lange wie der von Desktops und ist im wesentlich durch die Lebensdauer der Hardware (v.a. der Hard Disks und Batterien) und die Anforderungen der Software an die Leistungsfähigkeit der Hardware gegeben. Wir glauben, dass Laptops nicht eine längere Lebensdauer als Desktops haben werden und dass die Substitution von Laptops durch Tablets bei den Benutzern, bei denen sie in Frage kommt, weitgehend abgeschlossen ist. Deshalb dürfte sich der Absatz von PCs schon bald mindestens stabilisieren, wenn nicht sogar wieder steigen.

Für die Bewertung der drei „PC-Aktien“ gehen wir vorsichtshalber von Null Volumen-Wachstum im PC-Geschäft aus. Diese Firmen werden jedoch aufgrund anderer, wachsender Geschäftsbereiche wesentlich mehr wachsen als die Kurse implizieren.

  • Intel hat einen 90% Marktanteil in Prozessoren für Server, die für gut 40% des operativen Gewinns verantwortlich sind, und kann dadurch jährlich rund 4% wachsen, obwohl die aktuelle Bewertung kein Wachstum impliziert. Die Stärke in den Servern ist auch eine natürliche Absicherung gegen einen Einbruch im PC-Geschäft, weil die mobilen Geräte viel Rechenleistung in der „Cloud“, das heisst in Serverfarmen, beanspruchen. Generell gilt, dass für jeweils 600 Smartphones bzw. für jeweils 122 Tablets ein Server benötigt wird.
  • Microsoft ist Marktführer bei Software für Server. Wenn man zu diesen Umsätzen die Verkäufe an Firmen von Windows- und Office-Lizenzen addiert, dann verdient Microsoft 80% ihres Gewinns mit Unternehmen. Somit ist sie eher wenig von der Stagnation des PC-Marktes betroffen. Die Firma dürfte jährlich mit über 6% wachsen, nach knapp 8% in den letzten drei Jahren. Dennoch eskomptieren die aktuellen Kurse, selbst nach dem Sprung nach der Bekanntgabe des Rücktritts von Steve Ballmer, ein Wachstum von lediglich gut 1%.
  • Als Herstellerin von PCs ist HP Preisdruck ausgesetzt, der bei stagnierendem Volumen zu einem leicht rückgängigen Umsatz in diesem Bereich führen wird. Hingegen sollten vor allem Produkte und Dienstleistungen für Firmen, wie z.B. Server und Speichersysteme, Wachstum bringen, sodass auf Konzernebene der Umsatz stabil bleiben sollte. Der Kurs preist heute aber ein negatives Wachstum von -5% ein.

Die Wachstumsraten, welche in den aktuellen Kursen unserer drei „PC-Aktien“ impliziert sind, nehmen einen weiteren Rückgang des PC-Markts vorweg, den wir als unwahrscheinlich erachten. Das macht die drei solide finanzierten, marktführenden und rentablen Firmen zu attraktiven Anlagen.

–Markus Kaussen

 

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