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Georg von Wyss am 24.01.2013

Sockel-Überschuss-Methode vorgestellt

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Die Sockel-Überschuss-Methode dient der Planung des Vermögensverbrauchs. Wenn Sie in Rente sind und das Ziel haben, Ihr Vermögen möglichst zu verbrauchen und zugleich sicherzustellen, dass es nicht vorzeitig ausgeht, dann können Sie diese Methode anwenden. Die besten Ergebnisse erzielen Sie mit Aktien, noch bessere mit Value-Aktien.

Kunden fragen uns hin und wieder, wie man am besten vorgehen soll, wenn man das Ziel hat, sein Vermögen auf möglichst planbare Weise zu verbrauchen und zugleich sicher sein will, dass es nicht vorzeitig ausgeht.

Typischerweise wird empfohlen, einen grossen Teil des Vermögens, vielleicht 60-70%, in Obligationen und Cash zu investieren und den Rest in Aktien zu belassen. Wir haben letztes Jahr dieses Thema in einer Studie gründlich untersucht. Unsere Datenbasis enthält weltweite Börsen- und Obligationenrenditen sowie Inflationsdaten von 1899-2011. Wir haben unsere Analysen mit einem Weltaktienindex in Franken gemacht und sind zum Schluss gekommen, dass die konventionelle Empfehlung falsch ist. Es ist viel besser, 100% in Aktien zu investieren und es diszipliniert zu verbrauchen. Dabei muss man allerdings einige Regeln befolgen, die wir zusammen die Sockel-Überschuss-Methode nennen.

Konkret haben wir angenommen, dass man typischerweise 30 Jahre lang vom Vermögen zehren möchte. Warum 30 Jahre? Wenn man 65 ist, stehen die Chancen, als Frau ein Alter von 95 zu erreichen, bei 14%, als Mann sind es 6%. Somit ist es vernünftig, die Vermögensplanung auf dieses oder vorsichtigerweise ein noch höheres Alter auszurichten. Die Methode funktioniert aber auch für längere und kürzere Zeitspannen, und wir stellen die entsprechenden Parameter zur Verfügung.

Wir haben in einem ersten Schritt den Prozentsatz des Vermögens zu Beginn der Verbrauchsphase gesucht, der selbst in der schlimmsten historischen Verbrauchsphase die obigen Ziele erreichte. Rückblickend hätte das Geld 30 Jahre gereicht, wenn man jährlich und inflationsadjustiert 2.1% des Anfangsvermögens konsumiert hätte. Wir nennen diesen jährlichen Bezug den Sockelbetrag. Er ist im Prinzip eine Rente. Der Prozentsatz für die Berechnung des Sockelbetrags ist der Sockelsatz.

Wenn man einmal pro Jahr 2.1% vom Vermögen bezieht, dann ist man aller Wahrscheinlichkeit nach für künftige, sehr schlechte Zeiten vorbereitet. In allen anderen baut sich aber ein Vermögen auf, in den ganz guten sogar ein riesiges. Schliesslich rentierten Weltaktien in Franken von 1899-2011 im jährlichen Durchschnitt und nach Berücksichtigung von Depotbankgebühren, Vermögenssteuern und Einkommenssteuern auf Dividenden, so wie man sie heute zahlt, 5.8%.

Wir nennen diesen jährlichen Anstieg den Überschuss. Grundsätzlich darf man ihn konsumieren, denn das Vermögen soll ja am Ende möglichst aufgebraucht sein. Allerdings haben wir zwei Einschränkungen für den Konsum des Überschusses definiert.

  1. Das Vermögen muss eine gewisse Mindesthöhe haben. Diese entspricht der Summe aller noch nicht konsumierten Sockelbeträge.
  2. Der Bezug aus dem Überschuss unterliegt einer gewissen Obergrenze. Somit ist man gezwungen, in besonders guten Börsenzeiten einen  Teil des Überschusses investiert zu belassen.

Um den Erfolg unserer Methode zu prüfen, sind wir davon ausgegangen, dass ein Anleger jedes Jahr zwanzig Jahre lang inflationsadjustiert CHF 5’000 in Aktien investiert hat, d.h. real CHF 100’000. Wir haben dann den Anlageerfolg in allen 20-Jahresperioden ab 1899 gemessen. Es hat Verlustperioden gegeben, aber im grossen und ganzen ist man reicher geworden, im Durchschnitt inflationsadjustiert rund 70%. Die Sockelbeträge und Überschüsse haben wir dann ausgehend von der nominalen Höhe der Vermögen am Ende jeder Sparphase ausgerechnet.

Wenn man alle Zahlen um die Inflation adjustiert, kann man sämtliche 30-jährige Verbrauchsphasen im Verhältnis zu den ersparten realen CHF 100’000 beurteilen. Folgendes fällt auf (siehe Tabelle 1):

Tabelle 1: Möglicher Konsum pro Jahr in CHF real während 30 Jahren, wenn insgesamt real CHF 100’000 über 20 Jahre ingleichmässigen Tranchen gespart und investiert wurden 
1899-2011 Aktien Obligationen
Konsum Sockelbetrag
Minimum  CHF 3’480 CHF 1’513
Median  CHF 5’354 CHF 2’498
Maximum  CHF 9’305 CHF 4’505
Konsum Total
Minimum CHF  5’365 CHF 1’921
Median CHF  9’264 CHF 2’507
Maximum CHF 14’774 CHF 4’508
  • Im Durchschnitt konnte man real CHF 9’264 jährlich aus dem Vermögen konsumieren. Das ist eine Rendite von 9.3% auf dem ersparten Geld!
  • Das ist fast viermal mehr als mit Obligationen möglich war, wenn man nur in diese Anlageklasse investiert hätte.
  • Im besten Fall, wenn die Kursgewinne in der Sparphase gross waren, konnte man fast CHF 14’774 jährlich konsumieren. Im schlimmsten Fall waren es CHF 5’365 – immerhin 5.3% vom investierten Geld.
  • Rund 60% dieses Konsums kommt aus den Sockelbeträgen, welche den Vorteil der Planbarkeit haben. Der Rest kommt aus den Überschüssen. Diese sind zwar nicht planbar, aber ein wesentlicher Aspekt des Ertrags von Aktien.
  • Bei Obligationen kommen Überschüsse kaum vor. Zudem sind die Sockelbeträge von Obligationen nur etwa halb so hoch wie die von Aktien, weil Obligationen viel weniger Vermögensaufbau erlauben.
  • Selbst die schlechteste Phase mit Aktien ist besser als die beste mit Obligationen.

Wie ist das zu erklären? Wir wissen, dass Aktien viel volatiler sind als Obligationen. Aus diesem Grund werden sie meistens nicht für die Verbrauchsphase empfohlen. Man ist, jedoch, wenn man die Dauer der Spar- und Verbrauchsphasen addiert, mindestens 50-70 Jahre lang in Wertschriften investiert. Das ist mehr als genug Zeit, um die Korrektur von Phasen der Über- und Untertreibung abzuwarten und vom grundsätzlichen Aufwärtstrend von Aktien zu profitieren.

Wir haben schon häufig die Meinung gehört, dass sich die Zeiten verändert haben, dass eine Methode wie diese, die auf historischen Erfahrungswerten beruht, in Zukunft nicht funktionieren wird. Wenn es stimmen sollte, dass 112 Jahre Börsengeschichte mit all ihren Krisen und Weltkriegen keine zuverlässigen Werte für die Methode liefern, dann wäre sie effektiv wertlos, aber dann würden wir auch nicht in andere Anlageformen vertrauen können.

Zu guter Letzt noch ein Wort zum Value-Investing. Seit den 1960er–Jahren untersuchen namhafte Wissenschaftler den Erfolg dieses Stils. Das Fazit daraus ist, dass der Value-Stil langfristig gegenüber dem Gesamtmarkt eine Mehrrendite von 1–3 %-Punkten pro Jahr ermöglicht, die sogenannte Value-Prämie. Aufgrund der Macht des Zinseszinses hat dieser kleine Unterschied einen grossen Einfluss über die langen Zeiträume des Vermögensaufbaus und -konsums. Wenn ein Anleger vom ersten Tag an nach dem Value-Stil investiert und nur einen Prozentpunkt mehr Rendite erzielt als der Markt, dann kann er in der Verbrauchsphase fast 90% mehr konsumieren als sonst der Fall wäre.

Eine detailliertere Beschreibung der Sockel-Überschuss-Methode finden Sie hier. Auf dieser Seite finden Sie auch einen Rechner, der die notwendigen Kalkulationen übernimmt sowie weiter Informationen zur Methode.

–Georg von Wyss

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