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Georg von Wyss am 21.09.2012

Kay Review beschreibt Best Practice für Vermögensverwalter

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John Kays Aktienmarkt-Review vom Juli macht Empfehlungen, wie alle Teilnehmer am Aktienmarkt die Renditen der Investoren verbessern können. Asset Manager sollten ihre Anlagen auf einige wenige Gesellschaften konzentrieren, die sie gut kennen, mit denen sie sich regelmässig auseinandersetzen und die sie mit dem Ziel halten, langfristig eine gute Rendite zu erzielen - exakt was wir tun.

Der Ökonom John Kay, Professor an der London School of Economics und Kolumnist der Financial Times, veröffentlichte im Juli seinen Review über die UK-Aktienmärkte und langfristige Entscheidungsfindung.

Sein Auftrag war zu evaluieren, „wie gut die Aktienmärkte ihren Kernauftrag erfüllen: Die Performance von UK-Gesellschaften zu verbessern und es den Sparern über direkte und indirekte Beteiligung an den Aktien von UK-Gesellschaften zu ermöglichen, davon zu profitieren“ (Seite 9). Die Schlussfolgerungen gelten auch für die europäischen und nordamerikanischen Aktienmärkte, da sie ziemlich ähnlich sind.

Kays Studie ist von besonderem Interesse für uns, weil sie am stärksten auf Finanzintermediäre fokussiert und unter diesen vor allem auf Asset Manager. Unter kurzfristigem Performancedruck relativ zu ihren Konkurrenten stehend, haben sich diese von den Gesellschaften entfernt, in die sie investieren. Sie halten die meisten ihrer Aktien zu wenig lang, um sich mit den dahinterstehenden Unternehmen zu beschäftigen. Gleichzeitig bekommen die Manager der Unternehmen das Ziel und Anreize, den Aktienkurs schnell nach oben zu treiben. Sie verfolgen Strategien, die sich an finanzieller statt an industrieller Logik orientieren. Dies hat zum Untergang vieler Unternehmen geführt hat, unter anderem der einstigen britischen Vorzeigeunternehmen ICI und GEC. Zudem verschärft der regulatorische Rahmen, der auf dem Glauben an effiziente Märkte beruht, durch das gesamte System hindurch die Anreize, die falschen Dinge zu tun.

Kay macht Verbesserungsvorschläge für alle Teilnehmer am Aktienmarkt – Sparer, Asset Manager, Unternehmen und Regulatoren. Er glaubt, „dass Asset Manager grössere Anreize haben sollten, sich mit den Unternehmen zu beschäftigen. Aktive Asset Manager sollten typischerweise stärker konzentrierte Portfolios halten, welche sich mehr von den anderen und den Referenzindizes unterscheiden, und regulatorische Hindernisse für ein solches Verhalten sollten reduziert oder beseitigt werden“ (Seite 50). Kay sagt nicht ausdrücklich, dass seine Empfehlungen dazu führen werden, dass jene Asset Manager, die sie befolgen, bessere Renditen erzielen als ihre Kollegen. Er impliziert dies aber, indem er auf Warren Buffett als den idealen Geldmanager Bezug nimmt. Und er argumentiert sehr klar, dass Unternehmen mit kritischen Langfristaktionären höhere Renditen abliefern werden.

Ein Katalog von Regeln für Asset Manager („Good Practice Statement“) umfasst elf Empfehlungen. Die ersten sechs betreffen Interessenskonflikte und Kommunikation mit den Kunden. Sie sind  u.E. ziemlich offensichtlich, bzw. sollten es sein für unsere Industrie. Die anderen fünf sind viel unkonventioneller und interessanter. Sie sind:

„Asset Manager sollten…

7. Priorität auf die mittel- und langfristige Wertschöpfung und auf absolute Renditen legen und nicht auf das Ausnutzen kurzfristiger Marktbewegungen.
8. eine langfristige Vertrauensbeziehung zu den Unternehmen aufbauen, in die sie investiert sind, um die langfristige Performance verbessern zu helfen – wohlwissend, dass sich mit einem Unternehmen auseinandersetzen über das blosse Abstimmen an der GV hinaus geht.
9. ihre Anlageentscheide aufgrund der Einschätzung des langfristigen Unternehmenserfolgs fällen, basierend auf dem Verstehen der Unternehmensstrategie sowie einer Reihe von unternehmensrelevanten Informationen, und es vermeiden, sich auf einzelne Performancekennzahlen zu verlassen.
10. bereit sein, zusammen mit anderen Anlegern aktiv zu werden, um die Performance der Unternehmen zu verbessern, in die sie investiert sind.
11. in Einklang mit den Interessen und dem Anlagehorizont ihrer Kunden bezahlt werden. Insbesondere sollte die Entlöhnung keinen Zusammenhang mit der kurzfristigen Performance des Anlagefonds oder der Asset Management Gesellschaft aufweisen. Stattdessen sollte ein langfristiger Performanceanreiz in Form eines Anteils am verwalteten Vermögen (direkt oder via die Firma) gegeben werden, der so lange gehalten werden muss, bis der Geldmanager nicht mehr verantwortlich für das Vermögen ist.“ (alle Punkte Seite 53).

Es freut uns sagen zu können, dass diese Empfehlungen unseren eigenen Zielen entsprechen. Wir befolgen Empfehlung 7 automatisch, indem wir unsere Value Disziplin praktizieren. Diese führt uns dazu, Gesellschaften über Jahre hinweg zu halten. Empfehlung 9 – die Unternehmen gut kennen zu lernen – haben wir zu einem Hauptprinzip unseres Research-Prozesses gemacht. Was 8 (Vertrauensbeziehung) und 10 (Aktivismus) angeht: Einige Gesellschaften fragen nach unserer Meinung. Andere vernehmen unseren Ratschlag ohnehin, und öfter sehen wir Anzeichen, dass wir und andere uns im Geiste Verwandte einen Einfluss gehabt haben. Wenn nötig werden wir sogar noch aktiver, vorzugsweise hinter den Kulissen. Schliesslich sind wir von den Vorteilen unseres Anlagestils überzeugt. Entsprechend haben wir praktisch unser gesamtes Finanzvermögen in unsere Classic Fonds investiert, was uns in völlige Übereinstimmung mit Empfehlung 11 bringt.

–Georg von Wyss

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