Logo

Thomas Braun am 15.08.2012

Wege aus der Eurokrise

Kommentare: 0

Gegenwärtig verschärft sich die Eurokrise wieder und man fragt sich, wie Europa aus ihr herausfinden wird. Nachfolgend seien die möglichen Optionen skizziert.

Grundsätzlich gilt: Die Eurokrise wird so lange anhalten, als Mitglieder der Eurozone auf dem Kapitalmarkt kein Geld erhalten oder nur zu untragbar hohen Zinsen. Dies wird so lange der Fall sein, bis die Schulden dieser Länder weniger stark steigen als ihr Sozialprodukt und die Schuldenquote (Schulden geteilt durch Sozialprodukt) entsprechend sinkt.

Am Zähler dieses Quotienten wird momentan intensiv gearbeitet, indem Staatsausgaben gekürzt und Steuern erhöht werden. Dies hat anfänglich allerdings negative Auswirkungen auf den Nenner, weil dadurch kurzfristig die volkswirtschaftliche Gesamtnachfrage reduziert wird. Umso wichtiger sind Strukturreformen, die das Wachstum fördern und die Länder international wieder konkurrenzfähig macht.

Bis die Massnahmen wirken, braucht es Hilfe von aussen, um den Bankrott abzuwenden. Dafür steht zum einen der Euro-Rettungsschirm zur Verfügung. Doch der ist mit seinen 700 Mrd. zu klein, um die grossen Euro-Mitglieder Spanien und Italien während längerer Zeit zu finanzieren. Die Europäische Zentralbank kann zwar theoretisch unbegrenzt helfen, da sie unbeschränkt Euros drucken kann. Doch in der Praxis stösst auch sie an Grenzen, weil eine exzessive Ausdehnung der Geldmenge das Vertrauen in den Euro zerstören und die Leute diesen als Zahlungsmittel nicht mehr akzeptieren würden. Permanente Hilfe wäre schliesslich in einer Fiskal- bzw. Transferunion möglich. Dabei würden die starken Länder des Nordens die schwachen des Südens dauerhaft unterstützen. Ob die nordeuropäischen Steuerzahler eine solche Lösung mittragen würden, ist aber fraglich.

Somit müssen die Krisenländer letztlich ihr Haus selber in Ordnung bringen oder den Euro verlassen. Ein Euroaustritt hat für das betreffende Land den Vorteil, dass es seine Währung so lange abwerten kann, bis es international wieder wettbewerbsfähig ist. Sein Nachteil wäre, dass dann keine Finanzhilfe mehr von aussen fliessen würde. Das Land müsste somit entweder seine Sparanstrengungen und Reformen weiter führen, um das laufende Budgetdefizit auszugleichen oder das Defizit mit Drucken von Geld (man hat ja nun wieder eine eigene Währung) finanzieren. Letzteres könnte zu einer galoppierenden Inflation und zu einer Flucht in ausländische Währungen führen, was das heimische Bankensystem und die Binnenwirtschaft schwer beschädigen würde. Die Angst vor einer solchen Entwicklung war wohl der Grund, weshalb die Griechen bisher nicht von sich aus ausgetreten sind.

Aus Sicht des Auslandes würden all jene, die Guthaben in diesen Ländern halten, massive Verluste erleiden, sei es über Währungsverluste, wenn ihre Guthaben in die neue, schwache Währung umgewandelt würden, sei es über Insolvenzen. Diese Gefahr wird schon in wenigen Quartalen nicht mehr besonders gross sein, weil sich Anleger und Banken systematisch aus den Krisenländern zurückziehen. Die grossen Verluste würden somit beim Euro-Rettungsschirm und vor allem bei der EZB anfallen. Da die EZB Geld selbst drucken kann und damit per Definition solvent bleibt, kann sie die Verluste verkraften. Ein Problem hat sie erst, wenn die aufgeblähte Geldmenge inflationswirksam würde. Solange die Konjunktur zur Schwäche neigt, ist diese Gefahr aber gering. Zudem kann die EZB die Geldmenge bei Bedarf jederzeit schnell reduzieren. Der grössere Schaden eines Euro-Austritts läge wohl in der Ansteckung anderer Krisenländer, die eine tiefe Rezession der beiden grossen Volkswirtschaften Italien und Spanien auslösen und via fallende Exporte in diese Länder sowie eine allgemeine Stimmungsverschlechterung das Wachstum im Rest der Welt beeinträchtigen könnte. Dies könnte auch an den Börsen noch einmal zu Turbulenzen führen.

Fazit: Die Eurokrise wird so oder so gelöst werden. Es wäre wünschenswert, wenn dies ohne Euroaustritt eines Landes geschehen würde. Doch auch ein Austritt wäre nicht das Ende der Welt, sondern ein reinigendes Gewitter, welches den alten Kontinent von seiner gegenwärtigen Unsicherheit und Lähmung befreien könnte. Der langfristige Anleger sollte daher darauf vertrauen, dass auch diese Krise letztlich vorüber geht und nach dem verlorenen Jahrzehnt der Weg für eine kräftige Börsenerholung frei wird.

–Thomas Braun

Kommentar schreiben

Die mit einem (*) markierten Felder müssen ausgefüllt werden.

*